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Revamp-it: Computer-Recycling

Auch alte Rechner sind schnell
Kein Materialverschleiss, kein Menschenverschleiss – «Revamp-it»  recykliert Computer, liefert einen Teil davon nach Afrika und gliedert Leute in die Arbeitswelt ein, die mit dem heftigen Wettbewerb nicht zurecht gekommen sind. «Es zeugt von Arroganz, Computer wegzuschmeissen, nur weil sie zu alt sind», sagt Andreas Rudin, Initiant des Unternehmens. «Arroganz gegenüber der Umwelt, Arroganz gegenüber den Menschen, die die Waren zu Niedriglöhnen produziert haben.»

Computer werden heute meist nicht wegen eines Defekts entsorgt, sondern weil sie nicht mehr mit der aktuellsten Software mithalten können. Die neuen Geräte sind jedoch viel zu leistungsfähig für den alltäglichen Gebrauch – «wie eine Jaguar in der 30er-Zone», vergleicht Rudin. Diese Überkapazität nützt Revamp-it aus: Statt nur eine Person am Superhirn des neuen Rechners teilhaben zu lassen, verbindet sie mehrere Computer damit. Für ein gesamtes Netzwerk ist so nur ein teurer Server notwendig und die angeschlossenen Geräte müssen nicht mit der neusten Technik ausgerüstet sein. Alte Computer, repariert mit dem einen oder anderen neuen Ersatzteil, erreichen dank der Verbindung zum neuen Server problemlos die benötigte Leistung. Die Lösung ist ökologischer und zugleich billiger als neue Rechner zu kaufen, der Standard der Wegwerfwirtschaft.
Dieses System der Vernetzung alter und neuer Hardware funktioniert nur mithilfe einer sogenannten Open-Source-Software; Revamp-it arbeitet mit Linux. «Sonst wären wir in einem Hardware-Marathon gefesselt», erklärt Rudin. Die neuen Betriebssysteme von Microsoft und Apple laufen auf älteren Computern nicht mehr – dieses System der ständigen Erneuerung führt zwangsweise zur frühzeitigen Ausscheidung funktionierender Computer.
«Wir erhalten viel mehr alte Geräte, als wir liefern können», sagt Rudin. Die meisten reparierten Geräte gehen nach Afrika, an Schulen oder soziale Projekte, beispielsweise in Südafrika oder Uganda. In der Schweiz läuft das Geschäft harzig, obwohl sich das System von Revamp-it für alle eignet, die mehr als einen Computer in einem Haushalt nutzen: Kleinbetriebe, Wohngemeinschaften, Schulen oder Kirchgemeinden . «Die Grüne Partei in Luzern hat ein System von uns, und es läuft hervorragend», bezeugt Rudin. «Überall sparen die Leute, nur bei der Informationstechnologie trauen sie sich nicht. Es ist allerdings schwierig, mit Recycling Geld zu verdienen», bedauert er. Der grösste Teil der Arbeit von Revamp-it geschieht deshalb ehrenamtlich. Das Unternehmen arbeitet mit Integrationsprogrammen zusammen und stellt Menschen ein, die vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind.   
Michael Huber

Quelle: Zeitpunkt 107 Mai/Juni 2010

Weitere Informationen: www.revamp-it.ch