Foodcoop: Zwischenhandel ohne Aufschlag

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Die «Foodcoop» Tor14 verkauft in Zürich Bioprodukte beinahe zum Einkaufspreis. Die Konsumenten bezahlen weniger, die Produzenten erhalten mindestens gleich viel.

Der teure Zwischenhandel wird in einer Foodcoop umgangen: mehrere Konsumenten schliessen sich zusammen und Verantwortliche kaufen die Waren, wann immer möglich, direkt bei den Produzenten ein. Tor14 ist nur am Mittwochabend und Samstagnachmittag geöffnet. Die beiden Betreiber, Christoph Meier und Tinu Balmer, verdienen nichts daran; Balmer ist hauptberuflich freischaffender Grafiker und Meier Autor. Mitglied von Tor14 kann jede und jeder werden. Die Einkäufe bezahlt man im Voraus auf ein Konto der Kooperative; Bargeld fliesst im Laden keines, die Preise werden den Kunden von ihrem Guthaben abgezogen. Dank diesem System sind die Betreiber nicht auf Kredite angewiesen.
Tor14 befindet sich im Keller eines Backsteinhauses an der Bäckerstrasse 52, die Metallgestelle erinnern an einen Lagerraum eines kleinen Industriebetriebs. Dafür sind die Produkte darauf umso natürlicher: Sellerie, Mehl, Grappa, Öko-Windeln – was es zum Leben braucht. Auf Bestellung verkauft Tor14 auch Fleisch; Gemüsetaschen können abonniert werden.
Zusammen mit einem Agronomen ist Tinu Balmer gerade dabei, ein zweites, ähnliches Projekt zu starten: eine Anbaugemeinschaft beim Dunkelhölzli in Altstetten, wo biologisches Gemüse angepflanzt wird. Die Mitglieder der Kooperative bezahlen ihren Beitrag im Voraus und verpflichten sich, während der Saison mindestens zwei Tage mitzuarbeiten. Im Gegenzug erhalten sie günstiges Bio-Gemüse im Abonnement.
Meier und Balmer, beide Familienväter, haben Tor14 vor vier Jahren ins Leben gerufen, weil sie sich gesund ernähren wollten, ihnen aber das Geld für den beständigen Einkauf im Bioladen fehlte. Durch einen Freund haben sie von einer Foodcoop in New York erfahren und die Idee gleich selbst umgesetzt. In Deutschland gibt es Foodcoops mittlerweile in fast allen grossen Städten, allein in Berlin über vierzig. Wie bei der Vertragslandwirtschaft kommt der Impuls von Städtern, die zusammen mit Bauern eine natürliche Ernährung und eine sinnvolle Wirtschaft organisieren. Die Kleinheit haben die Foodcoops in der DNA: Nur wenn sie überschaubar bleiben, können die Betreiber ihren Aufwand und somit die Preise in Grenzen halten. Bleibt zu hoffen, dass die Foodcoops die Grossverteiler konkurrenzieren und nicht die Bioläden.     MH

Quelle: Zeitpunkt 107 Mai/Juni 2010

Infos:
www.tor14.ch
www.dunkelhoelzli.ch