Rubrica 1
berna
Rubrica 1

«Iddées Vertes»: Recycling und Selbstversorgung

Ökologisch wohnen -  Iddées Vertes ist ein Netzwerk von Baufachleuten in der Waadt. Ihre Renovationen und Neubauten wollen sie so realisieren, dass sie von fossilen Energieträgern unabhängig sind und die Autonomie und Selbstversorgung der Bewohnerinnen und Bewohner möglich ist . «Werden wir zu Akteuren einer selbstbestimmten Zukunft und nicht Zuschauer oder Opfer einer Entwicklung.» Mit diesem Slogan macht der Verein «Iddées Vertes» von sich reden .

Gegründet wurde das Netzwerk von Christophe Jaccard und Anstoss war der Abbruch der Arteplages der Expo.02. Jaccard und seine Kollegen bauten 750 Kubikmeter Holz der Arteplage Neuenburg ab, die Platten und Balken kamen ins Recycling, und 2006 wurden daraus 50 000 Quadratmeter Pavatex, die zum Schutz eines Marmorbodens gebraucht wurden. Für das Netzwerk von unabhängigen Berufsleuten ist Recycling nur eine Facette. Der Verein baut und installiert unter anderem auch Solarpanels oder Holzheizungen .
Vernetzt sind hier Maurer, Gipser, Schreiner, Sanitärinstallateure, Heizungsfachleute, Fensterbauer und ein Sozialarbeiter. Inzwischen auch ein Holzbauingenieur und ein Architekt. Für grosse Baustellen wird zusätzliches Personal beschäftigt, oft Menschen, die in sozialen Einrichtungen leben.

Banker steigt aus
«Iddées Vertes» - Präsident Christophe Jaccard schildert seine Motivation zur Gründung des Netzwerks: «Nach zehn Jahren Vermögensverwaltung und nach der Geburt unserer Kinder wurde mir klar, dass wird der nächsten Generation eine Welt voller Schulden hinterlassen werden und wir Berge von Abfällen produzieren.» Das bewog ihn, auszusteigen und sich einen Bauernhof im waadtländischen Dorf Fey zu kaufen. Und dort packte er die Probleme beim Schopf: «Ich wollte nicht länger 10 000 Liter Heizöl pro Jahr verbrennen .
» Heute ist der Bauernhof mit 54 Quadratmetern Solarpanels ausgerüstet, die für warmes Wasser sorgen und die Holzpelletheizung unterstützen. Im Haus wohnen heute 17 Personen in fünf Wohnungen .

Soziale Dimension der Arbeit
Christophe Jaccard engagiert sich nicht nur fürs ökologische Bauen, er kämpft auch gegen tiefe Löhne und ergänzt seine Aktivitäten um eine soziale Dimension. Die Bauten sind trotzdem im Durchschnitt 20 Prozent günstiger, denn die administrative Struktur und die Gewinnmargen sind bescheiden .  Den Investierenden bleibt so mehr Geld für grössere Solarpanels oder dickere und damit bessere Isolationen .

«Iddées Vertes» schreibt sich – orthografisch bewusst falsch – mit zwei d. Diese zwei «d» standen ursprünglich für «développement durable», für nachhaltige Entwicklung .
Seit der Begriff der Nachhaltigkeit vom «Green Business» übernommen wurde, sei er diffus geworden, und vor allem setze man hier weiterhin auf Wachstum. «Wir aber glauben immer weniger ans Wachstum», so Jaccard .
Er deutet die zwei «d» heute deshalb eher als «décroissance douce», als sanfte Abnahme, sanftes Schrumpfen .

In den Statuten wird der Grundsatz festgehalten, dass «Iddées Vertes» sich selbst finanzieren will. Doch um Liquidität zu sichern, braucht die Organisation Kredit. «Die ABS hat uns einen Kontokorrentkredit gewährt, das sind aber keine Schulden», betont Jaccard .

Diesen Herbst nimmt «Iddées Vertes» ein Grossprojekt in Angriff. Auf einem 10 000 Quadratmeter grossen Grundstück in der Nähe von Fey wird eine handwerkliche und landwirtschaftliche Kooperative eingerichtet, die sich teilweise selbst versorgen wird.

Quelle: Moneta n.2 2009, von Alternative Bank SSchweiz (ABS)

Cathy Savioz | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Infors: www.iddeesvertes.ch